Mittwoch, 17. September 2014

Heitinga, Kalou, Stocker - Bei Hertha müssen endlich die Stars ran!

Sport   |   Hertha BSC
Gegen Mainz noch glücklos: Salomon Kalou kam
vom OSC Lille nach Berlin


Hertha gilt in der Bundesliga als graue Maus. Dabei wurden im Sommer Spieler von internationalem Format geholt. Doch Trainer Jos Luhukay lässt die Neuzugänge meist auf der Bank. Warum?

Da sage noch einer, Hertha BSC hätte keine Stars: Salomon Kalou hat mit dem FC Chelsea die Champions League gewonnen. John Heitinga stand mit den Niederlanden im WM-Finale 2010. Valentin Stocker war mit der Schweiz bei der WM in Brasilien und ist amtierender Schweitzer Meister mit dem FC Basel. Alle drei stehen seit diesem Sommer bei Hertha BSC unter Vertrag. Alle drei sind Namen, die man dem Hauptstadtklub kaum zugetraut hätte. Doch es gibt ein Problem: Alle drei spielen bisher kaum.


Die Startelf der Berliner am vergangenen Spieltag gegen Mainz gab einigen Fans Rätsel auf: Heitinga, vor der Saison vom FC Fulham gekommen, wanderte auf die Bank. Stattdessen bildeten John Anthony Brooks und Fabian Lustenberger das Duo in der Innenverteidigung. Salomon Kalou durfte erst in der 69. Minute sein Bundesliga-Debüt geben und Stocker verbrachte auch den dritten Bundesliga-Spieltag bei Herthas Amateuren. Die Verbannung von Hajime Hosogai stieß ebenfalls nicht bei allen Fans auf Gegenliebe. Nach dem verpatzten Saisonstart der Hertha scheint nun eines klar zu sein: Die Stars müssen endlich ran!

Stocker stand 180 Minuten auf dem Platz – für Herthas U23

Nun gab es sicherlich gute Gründe, die Trainer Jos Luhukay zu seiner Aufstellung bewogen haben. Salomon Kalou war, direkt nachdem Hertha ihn vom OSC Lille verpflichtet hatte, zur Nationalmannschaft der Elfenbeiküste gereist und hatte vor dem Spiel gegen Mainz nur ein Mal mit seinen Mitspielern in Berlin trainiert. In der Verteidigung feierte Kapitän Fabian Lustenberger nach langer Verletzungspause sein Comeback und verdrängte Heitinga.

Etwas komplizierter stellt sich die Situation bei Valentin Stocker dar. Der Schweizer war vor der Saison für immerhin 3,1 Millionen Euro aus Basel in die Hauptstadt gewechselt. Seitdem war er 180 Minuten auf dem Platz – allerdings für Herthas U23. Luhukay forder in der BILD mehr Geduld, ohne jedoch konkrete Gründe für die Schwierigkeiten zu benennen: "Manche Spieler brauchen nur sehr kurze Zeit, um sich im neuen Land und in der neuen Liga einzuleben. Manche brauchen aber länger – das ist bei Valentin der Fall.“ 

Der Schweizer Nationaltrainer, der Stocker demonstrativ für die ersten zwei Länderspiele nach der WM nominierte, hat dafür kein Verständnis. Im Schweizer Blatt "Blick" wetterte er: "Valentin hat mehr Champions-League-Spiele gemacht als die ganze Hertha-Mannschaft zusammen. Da kann man ihm doch ein bisschen mehr Vertrauen schenken. Zudem hat Hertha viel Geld bezahlt, da verstehe ich auch nicht wirklich, wie man mit ihm umgeht." Doch auch Hertha-Manager Michael Preetz gibt dem 25-Jährigen noch Zeit: "Wir verpflichten die Jungs ja nicht für ein Spiel oder zwei bis vier Wochen, sondern für die nächsten Jahre. Wir werden sie in den Wettkampf schicken, wenn sie das volle Leistungsniveau erreicht haben."

Leistungsträger gesucht

Im Interesse der Hertha kann man nur hoffen, dass dies schnell der Fall ist. Wer das behäbige Aufbauspiel gegen Mainz gesehen hat, wird sich über einen flinken Flügelspieler wie Stocker freuen. Auch Kalou zeigte bei seinen wenigen Ballberührungen gegen Mainz, dass er über eine Spritzigkeit verfügt, die jede Bundesliga-Abwehr vor gehörige Probleme stellen kann. Und die ordnende Hand eines John Heitinga kann Hertha in der aktuellen Lage besser gebrauchen denn je.

Vor allen Dingen aber braucht Hertha Stabilität. In der grandiosen Hinrunde der vergangenen Saison war es gerade die Defensive, die Hertha in Europacup-Sphären hievte. Bei neun Gegentoren nach drei Spieltagen kann man in diesem Jahr nicht davon sprechen. Das Personal ist auf dem Zettel in dieser Saison sogar stärker als vor Jahresfrist. Allein die Umsetzung hat bisher nicht funktioniert. Individuelle Klasse alleine wird dafür nicht reichen. Doch die internationale Erfahrung, die diese drei Spieler mitbringen, könnte Hertha Sicherheit geben. Bisher bezeichnet Luhukay Kalou als "eine Alternative". Es wäre zu wünschen, dass er bald zu euphorischeren Vokablen greift.